Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Reisen und Investieren beschäftigt, landet fast automatisch bei Airlines.
Flugzeuge sind sichtbar, Marken bekannt, Reisen emotional. Lufthansa, Qantas oder LATAM kennt man – Flughäfen dagegen wirken langweilig, technisch, fast unscheinbar.
Doch genau hier lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten. Denn an der Börse ist nicht entscheidend, was sichtbar ist, sondern wo Geld verdient wird – und wie stabil.
Warum Airlines für Einsteiger so attraktiv wirken
Airlines sind leicht zu verstehen.
Sie verkaufen Tickets, fliegen Menschen um die Welt und profitieren von steigender Reiselust – zumindest auf den ersten Blick.
Beispiele gibt es weltweit:
- Europa: Lufthansa, Ryanair, IAG
- Australien: Qantas
- Mittel- & Südamerika: LATAM, Copa Airlines
Das intuitive Investment-Narrativ lautet:
👉 Mehr Reisen = mehr Flüge = mehr Gewinn.
Doch genau hier beginnt das Problem.
Margenunterschiede – das strukturelle Kernproblem der Airlines
Airlines arbeiten traditionell mit sehr niedrigen Margen.
Der Grund liegt im Geschäftsmodell:
- Hoher Wettbewerbsdruck
- Kaum Preissetzungsmacht
- Kunden vergleichen fast ausschließlich über den Preis
- Zusatzkosten wie Kerosin, Personal und Wartung schwanken stark
Selbst gut geführte Airlines kämpfen regelmäßig mit:
- dünnen Gewinnen
- hoher Verschuldung
- politischem Einfluss
- Streiks und regulatorischen Eingriffen
Die Lufthansa-Aktie ist dafür ein klassisches Beispiel:
Phasenweise hohe Nachfrage, dann wieder massive Verluste – oft unabhängig davon, wie voll die Flugzeuge tatsächlich sind.
👉 Für Anleger bedeutet das: hohes operatives Risiko bei begrenztem Ertragspotenzial.
Fixkosten: bewegliche Flugzeuge vs. feste Infrastruktur
Auf den ersten Blick wirken Flughäfen teurer: Beton, Terminals, Landebahnen.
Doch wirtschaftlich ist genau das ihr Vorteil.
Airlines
- Flugzeuge können verlegt werden
- Strecken werden eingestellt
- Kapazitäten schwanken stark
- Hoher Kapitalbedarf bei geringer Planbarkeit
Flughäfen
- Standortgebunden
- Monopol- oder Oligopolstellung
- Kaum direkte Konkurrenz
- Einnahmen aus vielen Quellen
Flughäfen verdienen nicht nur an Starts und Landungen, sondern auch an:
- Shops & Gastronomie
- Parkplätzen
- Vermietungen
- Werbung
- Sicherheits- und Servicegebühren
Ein Flughafen profitiert davon, dass geflogen wird – egal von welcher Airline.
Warum Flughäfen an der Börse oft unterschätzt werden
Flughäfen sind selten glamourös.
Sie sind keine Lifestyle-Marken, keine Wachstumsstorys, keine Social-Media-Stars. Genau deshalb landen sie bei vielen Anlegern gar nicht erst auf der Watchlist.
Dabei gibt es weltweit interessante Betreiber:
- Europa: Fraport, Aena
- Australien: Sydney Airport
- Mittel- & Südamerika: Betreiber in Mexiko, Chile oder Brasilien
Gerade in wachsenden Regionen profitieren Flughäfen langfristig von:
- Urbanisierung
- steigender Mittelschicht
- wachsendem Tourismus
- zunehmender Mobilität
Ohne den täglichen Preiskampf einer Airline.
Krisenresistenz – kein Schwarz-Weiß, aber klare Unterschiede
Die Pandemie hat gezeigt: Beide Modelle sind krisenanfällig.
Doch die Erholung verläuft unterschiedlich.
- Airlines mussten gerettet, verstaatlicht oder restrukturiert werden
- Flughäfen litten ebenfalls – blieben aber systemrelevant
Ein Flughafen verschwindet nicht.
Er wird nicht ersetzt, nicht verlagert und selten geschlossen. Das Geschäftsmodell ist langsamer, aber oft berechenbarer.
Ein realistischer Vergleich
| Aspekt | Airlines | Flughäfen |
|---|---|---|
| Sichtbarkeit | Hoch | Gering |
| Margen | Niedrig | Höher |
| Wettbewerb | Extrem | Begrenzt |
| Krisenanfälligkeit | Hoch | Mittel |
| Preissetzungsmacht | Gering | Höher |
| Langfristige Planbarkeit | Schwach | Stärker |
Keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen der Information und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten dar. Investieren ist mit Risiken verbunden. Keine Haftung für Entscheidungen
Fazit für Einsteiger
Airlines sind nicht per se schlechte Investments.
Aber sie sind schwierige Investments – selbst für Profis.
Wer als Einsteiger intuitiv zur Airline-Aktie greift, sollte sich zumindest fragen:
Gibt es Akteure, die vom Fliegen profitieren, ohne selbst fliegen zu müssen?
Flughäfen sind genau diese Alternative.
Weniger aufregend, weniger emotional – aber oft stabiler, breiter aufgestellt und langfristig besser kalkulierbar.
Und genau deshalb verdienen sie im Kontext Reisen & Investieren deutlich mehr Aufmerksamkeit, als sie üblicherweise bekommen.