Wie mich das nervt – und was Börse mit Anfängern macht

ChatGPT Image Jan
ChatGPT Image Jan

Was mich an der Börse wirklich nervt, ist nicht der Kurs.
Es sind die Reaktionen darauf.

Am Anfang investiert man oft impulsiv. Man kauft, weil man irgendwo gelesen hat, dass jetzt ein guter Zeitpunkt sei. Und man reagiert genauso explosiv, wenn der Kurs schwankt. Nicht, weil man unfähig ist – sondern weil man schlicht keinen Plan von Aktien hat. So fängt es bei fast allen an.

Dann beginnt man, sich intensiver mit dem Thema zu befassen. Foren, Informationsseiten, Kommentare. Am Ende hat man das Gefühl, sogar weniger zu wissen als vorher, weil jeder etwas anderes erzählt. Podcasts tun ihr Übriges. Dazu diese permanente mediale Panik oder Euphorie. Heute brennt alles, morgen geht alles „to the moon“. Irgendwann geht einem das einfach nur noch auf den Wecker.

Heute rauscht der Kurs runter.
Am nächsten Tag vielleicht noch einmal.
Und dann geht er wieder hoch.

Das ist nichts Besonderes. Das ist Börse.
Und genau hier liegt der Denkfehler.

Die Geschichte vom schnellen Geld an der Börse ist für normale Investoren reine Glückssache. Für dich. Für mich. Für die meisten. Börse funktioniert nicht auf Tagesbasis. Ein einzelner Tag ist wie Lotto spielen. Es kann funktionieren, habe ich selbst schon erlebt. Es kann aber genauso gut Tage, Wochen oder Monate dauern, bis sich überhaupt etwas bewegt – oder bis es erst einmal weiter runtergeht.

Kaum fällt ein Kurs, werden sofort alle möglichen Theorien ausgepackt. Management unfähig, Markt kaputt, Firma am Ende. Ernsthaft?

Erst kürzlich ist SAP an einem einzigen Tag um rund 16 % gefallen. Und da frage ich mich wirklich: Ist euch eigentlich bewusst, was für eine riesige Firma das ist? SAP war in der Vergangenheit schon mehrfach „angeblich am Ende“ und ist trotzdem bis heute einer der größten Player in diesem Segment. Solche Unternehmen verschwinden nicht einfach, nur weil der Markt einen schlechten Tag hat.

Das heißt nicht, dass man jetzt blind alles investieren sollte, was geht. Aber es heißt, dass man bei solchen Firmen einmal nüchtern den gesamten Kursverlauf betrachten sollte. Nicht den Tag. Nicht die Woche. Sondern das große Bild.

Was dabei oft komplett vergessen wird: Man sollte sich weniger mit dem Kurs beschäftigen und mehr mit dem Investment selbst. Also mit der Firma dahinter. Was macht sie eigentlich? Wie lange ist sie schon am Markt? Wie ist sie durch frühere Krisen gekommen?

Genau hier ist dieses berühmte Rauszoomen so wichtig. Wer immer nur auf den letzten Ausschlag schaut, sieht keine Entwicklung, sondern nur Rauschen. Ein Kurs, der an einem Tag 10 % steigt, ist kein Grund zur Freude, wenn er die letzten Monate praktisch nur gefallen ist. Das ist dann oft nicht mehr als eine technische Gegenbewegung.

Umgekehrt kann ein weiter fallender Kurs durchaus ein Grund zur Freude sein. Zumindest dann, wenn man von der Firma überzeugt ist und langfristig investiert. Denn genau dann verbessert man seine Investition. Man kauft günstiger nach, senkt seinen Einstieg und ist besser aufgestellt, wenn der Kurs irgendwann wieder steigt.

Deshalb ist die Gesamtbetrachtung entscheidend. Nicht das Tagesrauschen, nicht die Schlagzeile, nicht die Stimmung in Kommentaren. Und schon gar nicht Tipps von Menschen, die man nicht kennt und nicht einschätzen kann.

Im Internet gibt es unzählige, die sich selbst als extrem kompetent darstellen. In Wahrheit verfolgen viele davon eigene Interessen. Wenn ein Kurs fällt und plötzlich überall „Verkaufen!“ geschrieben wird, kann das auch schlicht bedeuten, dass andere gerade kaufen wollen. Andersherum funktioniert es genauso: Kaufdruck erzeugen, Stimmung machen, damit der Kurs steigt – und man selbst bequem aussteigen kann.

Beide Richtungen sind nicht besonders nett. Aber gerade bei Anfängern funktioniert das erstaunlich gut. Denn wer neu ist, sucht Orientierung. Hilfe. Eine einfache Antwort. Und das Internet liefert sie – nur leider oft nicht uneigennützig.

Am Ende ist Börse oft viel einfacher, als sie gemacht wird.
Weniger schauen. Weniger reagieren. Mehr Zeit geben.

Vielleicht ist der wichtigste Schritt an der Börse nicht Kaufen oder Verkaufen.
Sondern einfach mal nichts zu tun.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert