Wer verdient eigentlich am Fliegen?

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Welche Unternehmen von Fluggesellschaften profitieren

Wenn über Airlines gesprochen wird, stehen meist die bekannten Namen im Vordergrund: Lufthansa, Ryanair oder IAG in Europa, Qantas in Australien oder LATAM und Copa Airlines in Mittel- und Südamerika. Für Anleger wirkt es naheliegend, direkt in diese Fluggesellschaften zu investieren – schließlich sind sie sichtbar, bekannt und unmittelbar mit dem Reisen verbunden.

Doch Fluggesellschaften sind nur ein Teil eines deutlich größeren Systems.
Jeder Flug ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus Technik, Wartung, Infrastruktur und Ausrüstung. Und genau hier sitzen oft die Unternehmen, die unabhängig vom Ticketpreis und mit deutlich stabileren Geschäftsmodellen Geld verdienen.


Flugzeuge selbst: Ohne Hersteller kein Flugbetrieb

Keine Airline der Welt fliegt ohne Flugzeuge.
Egal ob eine europäische Billigfluggesellschaft, eine australische Langstrecken-Airline oder ein Netzwerkcarrier in Südamerika – sie alle sind auf dieselben Hersteller angewiesen.

Der Markt ist stark konzentriert. Im zivilen Flugzeugbau dominieren wenige Konzerne, die über Jahre hinweg volle Auftragsbücher haben. Für Airlines bedeutet das hohe Investitionen oder langfristige Leasingverträge. Für die Hersteller bedeutet es planbare Einnahmen über Jahrzehnte, denn ein Flugzeug ist kein Konsumgut, sondern ein Langfristprojekt.

Der entscheidende Unterschied:
Während Airlines mit jedem Flug neu um Profitabilität kämpfen, verdienen Hersteller und Zulieferer bereits an der Existenz der Flotte.


Wartung, Reparatur und Überholung – das stille Dauerbusiness

Flugzeuge fliegen nicht einfach, sie müssen permanent gewartet werden. Triebwerke, Avionik, Fahrwerke, Kabinenausstattung – alles unterliegt strengen Sicherheitsvorgaben. Ohne regelmäßige Checks bleibt kein Flugzeug am Boden, egal ob es für Lufthansa, Qantas oder Copa Airlines im Einsatz ist.

Hier entsteht ein besonders spannendes Geschäftsmodell: Wartung ist nicht optional, nicht zyklisch im gleichen Maß wie der Ticketverkauf und oft langfristig vertraglich geregelt. Viele Airlines lagern diese Leistungen ganz oder teilweise aus, andere betreiben eigene Wartungstöchter, die wiederum auch für fremde Airlines arbeiten.

Das Ergebnis:
Auch wenn eine Airline operativ schwächelt, muss sie warten, reparieren und prüfen lassen. Für Wartungsunternehmen ist das ein struktureller Vorteil.


Ausrüstung & Innenausstattung – jeder Sitz verdient Geld

Ein Flugzeug besteht nicht nur aus Rumpf und Triebwerken. Sitze, Bordküchen, Toiletten, Beleuchtung, Entertainment-Systeme – all das wird von spezialisierten Zulieferern entwickelt und regelmäßig erneuert.

Gerade hier zeigt sich ein globales Muster:
Egal ob eine Maschine für Kurzstrecken in Europa, Langstrecken in Australien oder regionale Flüge in Lateinamerika eingesetzt wird – die technischen Standards und Anforderungen sind vergleichbar.

Für die Zulieferer bedeutet das:

  • breite internationale Kundschaft
  • geringe Abhängigkeit von einzelnen Airlines
  • langfristige Ersatz- und Nachrüstzyklen

Diese Unternehmen profitieren vom Bestand an Flugzeugen, nicht davon, wie gut eine Airline ihr Yield-Management im Griff hat.


Leasing & Finanzierung – Flugzeuge als Anlageobjekte

Viele Airlines besitzen ihre Flugzeuge nicht vollständig. Stattdessen werden sie geleast oder über komplexe Finanzierungsmodelle genutzt. Das reduziert kurzfristig den Kapitalbedarf der Airline – verlagert das Risiko aber auf andere Marktteilnehmer.

Für Leasinggesellschaften und Finanzierer sind Flugzeuge dabei weniger Transportmittel als Assets. Sie verdienen an Leasingraten, Wiedervermarktung und langfristigen Verträgen. Selbst wenn eine Airline in Schwierigkeiten gerät, bleibt das Flugzeug als verwertbares Gut bestehen.

Gerade in Regionen mit starkem Wachstum, etwa in Teilen Südamerikas oder Asiens, spielt dieses Modell eine zentrale Rolle – unabhängig davon, ob die jeweilige Airline an der Börse erfolgreich ist oder nicht.


Warum dieses Umfeld für Anleger interessant sein kann

Der entscheidende Punkt ist nicht, dass diese Unternehmen „besser“ sind als Airlines.
Der Punkt ist, dass sie anders verdienen.

Während Airlines:

  • stark vom Ticketpreis abhängen
  • unter Wettbewerbs- und Kostendruck stehen
  • extrem zyklisch reagieren

profitieren Hersteller, Wartungsfirmen und Ausrüster davon, dass überhaupt geflogen wird. Sie sitzen eine Stufe tiefer in der Wertschöpfungskette – näher an der Infrastruktur als am Endkunden.


Ein Perspektivwechsel lohnt sich

Wer sich mit dem Thema airlines aktien investieren beschäftigt, sollte nicht nur fragen, welche Airline die meisten Passagiere befördert. Die spannendere Frage lautet oft:

Wer verdient an jeder Maschine – egal, welche Airline sie betreibt?

Genau hier liegt der oft unterschätzte Teil der Luftfahrtindustrie. Weniger sichtbar, weniger emotional, aber strukturell robuster. Und damit ein sinnvoller Denkansatz für Anleger, die das Thema Fliegen nicht nur aus dem Cockpit, sondern aus der gesamten Wertschöpfung betrachten wollen.

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