Der Frust vieler Anleger:
„Immer wenn ich einsteige, geht’s bergab!“
Wenn du manchmal glaubst, die Börse hätte einen persönlichen Vertrag mit dem Universum geschlossen, nur um dirStreiche zu spielen – willkommen im Club. Fast jeder Einsteiger hat dieses Gefühl: Man drückt auf „Kaufen“, und gefühlt sofort fällt der Kurs. Man verkauft – und natürlich startet der nächste Anstieg genau fünf Minuten später. Es wirkt wie Pech, aber in Wahrheit steckt ein Muster dahinter, das viele erst später verstehen.
Das Problem beginnt oft damit, dass wir kaufen, wenn es sich gut anfühlt. Und gut fühlt es sich meistens dann an, wenn eine Aktie wochenlang gestiegen ist, überall darüber gesprochen wird und jeder zweite YouTube-Algorithmus uns Videos mit „10 Gründe, warum Aktie XY durch die Decke geht“ zeigt. Wir sehen steigende Kurse und denken: „Jetzt ist es sicher!“ Doch genau in solchen Momenten sind viele bereits investiert – und der Markt braucht irgendwann eine Pause. Das heißt nicht, dass du falsch liegst, aber dass du der Masse folgst. Und die Masse kommt selten als Erste an.
Sobald es nach dem Kauf abwärtsgeht, passiert etwas anderes: Die rote Zahl im Depot fängt an zu brennen. Aus einer kleinen Minusposition wird eine Gefühlslage. Zweifel setzt ein. Und irgendwann entsteht der Gedanke: „Vielleicht lieber jetzt raus, bevor es noch schlimmer wird.“ Dieser Reflex ist tief menschlich, aber an der Börse leider kostspielig. Denn die meisten Rücksetzer sind ganz normale Schwankungen, die später wieder aufholen – nur ist man dann oft nicht mehr dabei.
Viele Anleger richten ihren Blick ausschließlich auf den Kurs – und vergessen, dass ein Kurs nur ein Symptom ist. Ohne Strategie tanzt man zu jedem Beat der Börse, statt im eigenen Rhythmus zu bleiben. Wer ausschließlich auf Zahlen reagiert, ohne Plan, verfängt sich leicht in einem Muster aus „zu spät kaufen“ und „zu früh verkaufen“.
Dabei ist Börse langfristig viel entspannter, als viele glauben. Kurse wackeln – das ist ihr Job. Wer mit genug Zeit und Gelassenheit investiert, erlebt diese Schwankungen nicht als Bedrohung, sondern als Teil des Prozesses. Ein Sparplan macht es noch einfacher: Man investiert regelmäßig, egal ob der Kurs gerade oben oder unten steht. Dadurch wird Timing plötzlich unwichtig – und der Stress geht deutlich runter.
Auch eine klare Strategie hilft enorm. Wenn du weißt, warum du eine Aktie kaufst und unter welchen Bedingungen du wieder verkaufen würdest, gibt dir der Kurs keine Befehle mehr. Er erzählt nur eine Geschichte – und du entscheidest, ob sie etwas an deinem Plan ändert oder nicht.
Und schließlich ist es enorm erleichternd, nicht alles auf eine einzige Idee zu setzen. Wer breit investiert, erlebt automatisch weniger Drama. Denn selten fallen alle Märkte gleichzeitig und dauerhaft.
Am Ende liegt das Problem also selten bei der Börse – und sehr oft beim eigenen Entscheidungsprozess. Wer sich selbst versteht, braucht weniger Glück, weniger Bauchgefühl und weniger Panik. Und plötzlich wirkt die Börse nicht mehr wie ein böser Gegenspieler, sondern wie das, was sie ist: ein langfristiger Begleiter.
Mit einem klaren Plan, einem ruhigen Kopf und etwas Geduld verwandelt sich Frust nach und nach in Vertrauen – und aus dem Gefühl „Immer wenn ich einsteige, geht’s bergab“ wird irgendwann ein Lächeln darüber, wie man früher investiert hat.


